Meldung vom 28.08.2025
Vor wenigen Tagen hat das CONCEPT AMG GT XX rund um den Globus für Aufmerksamkeit gesorgt, als es in weniger als acht Tagen 40.075 Kilometer auf der legendären Teststrecke in Nardò zurückgelegt hat – und bei der sprichwörtlichen „Erdumrundung“ insgesamt
25 Langstreckenrekorde mit beeindruckendem Vorsprung für sich entscheiden konnte. Unter extremen Testbedingungen stellte der Technologieträger seine überlegene Dauerleistung unter Beweis und knüpfte damit an eine lange Tradition von Rekorden von Mercedes‑AMG an. Die Performance-Marke aus Affalterbach sprintete dabei mit gleich zwei Fahrzeugen und einer Geschwindigkeit von 300 km/h von Runde zu Runde und von Rekord zu Rekord – 7 Tagen, 13 Stunden, 24 Minuten und 07 Sekunden lang.
Zu den Rekorden zählt auch der für die längste jemals von einem Elektrofahrzeug in 24 Stunden zurückgelegte Distanz. Doch bei diesem extremen Härtetest wurde die bisherige Bestmarke nicht nur einmal übertroffen – sie wurde gleich vierzehnmal regelrecht pulverisiert: Mercedes‑AMG setzte bei der Nardò-Challenge zwei CONCEPT AMG GT XX ein. Beide Fahrzeuge übertrafen den bisherigen Rekord in jedem einzelnen 24-Stunden-Zeitfenster mit überwältigendem Vorsprung.
Dieser extreme Stresstest war dabei nur dank der überlegenen Dauerleistungsfähigkeit des revolutionären Antriebskonzepts möglich. So setzt das CONCEPT AMG GT XX auf drei Axial-Fluss-Motoren und eine direktgekühlte Batterie – Technologien, die bereits im kommenden Jahr in der Hochleistungsarchitektur AMG.EA in Serie gehen.
Zahlreiche weitere, teils seriennahe Innovationen haben ebenfalls zum erfolgreichen Extremtest beigetragen. Im Fokus standen dabei unter anderem das integrierte Kühlkonzept, die ausgeklügelte Aerodynamik sowie die intelligente Betriebsstrategie.
Daneben bringt das CONCEPT AMG GT XX eine Reihe weiterer Innovationen in Exterieur und Interieur. Dazu zählt beispielsweise ein Augmented-Reality-Rennhelm, ergonomische 3D-Sitzpads, sowie neuartige Materialien auf biotechnologischer Basis. Zu den Exterieur-Highlights zählen leuchtende Lacksegmenten an den Wagenflanken, in die Frontscheinwerfer integrierte Lautsprecher und das MBUX Fluid Light Panel am Heck.
„Mercedes-AMG und die Formel 1® stehen für Innovationen, intensiven Wettbewerb und das Verschieben von Grenzen des technisch Machbaren. Antriebe unseres Unternehmens haben schon in den ersten Straßenrennen der Automobilgeschichte vor über 120 Jahren bahnbrechende Erfolge erzielt und über Jahrzehnte Maßstäbe gesetzt. In den 70er- und 80er-Jahren war Mercedes-Benz Stammgast hier in Nardò und hat zahlreiche internationale Geschwindigkeits- und Streckenrekorde erzielt, vor allem mit dem C111 als visionäres Technologieprogramm. Mit ihm haben wir damals die Leistungsfähigkeit innovativer Antriebslösungen von Diesel- und Ottomotoren unter Beweis gestellt. Jetzt beginnt mit dem Technologieprogramm CONCEPT AMG GT XX eine neue Dimension der Performance, diesmal mit vollelektrischem Antrieb. Nun gilt es für das Zeitalter der elektrischen Antriebe die Messlatte des technisch Möglichen neu zu definieren. Was lag also näher, als wieder auf Rekordjagd zu gehen? Die Mission: Maßstäbe von Performance komplett neu definieren mit bahnbrechenden neuen Technologien und Innovationen. Die Motivation und die Einsatzbereitschaft des crossfunktionalen Teams von Mercedes‑AMG, Mercedes‑Benz, Mercedes‑Benz Mobility und unserer F1-Motorenexperten Mercedes‑AMG High Performance Powertrains war über die gesamte Vorbereitungszeit grenzenlos. Ich bin sehr stolz auf die beispiellose Leistung der gesamten Mannschaft bei dieser einzigartigen Rekordfahrt.“
Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Mercedes‑Benz Group AG. Chief Technology Officer, Entwicklung & Einkauf
„Bei AMG haben Innovationen ein klares Ziel: Sie müssen Performance für unsere Kunden bringen. Daher werden wir viele Technologien aus dem CONCEPT AMG GT XX schon bald auch in unsere Serienfahrzeuge bringen. Im Mittelpunkt steht dabei natürlich das revolutionäre Antriebskonzept mit den Axial-Fluss-Motoren und der direktgekühlten Batterie, die schon im kommenden Jahr in Serie kommen. Zudem nutzen wir die Daten, die wir in Nardò gewonnen haben, für weitere Optimierungen unserer künftigen Hochleistungs-Architektur AMG.EA. Unsere Kundinnen und Kunden werden davon mit einer bisher unbekannten Dimension elektrischer Dauerleistung profitieren.“
Michael Schiebe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Mercedes‑AMG GmbH und
Leiter Geschäftsbereiche Mercedes‑Benz G‑Klasse & Mercedes‑Maybach
Innovative Kühlung mit Central Coolant Hub (CCH) und passiver Kühlplatte im Unterboden
Die leistungsstarke Kühlung ist ein wesentlicher Schlüssel für die hohe Dauerleistung des CONCEPT AMG GT XX. Im Zentrum steht dabei die innovative Direkt-Ölkühlung der Hochleistungsbatterie. Doch auch die bedarfsgerechte Kühlung der Electric Drive Units (EDUs) an Vorder- und Hinterachse und der Onebox waren entscheidend. Dort ist die Leistungselektronik für das 12‑Volt-Bordnetz und den On-Board-Lader zusammengefasst.
Dabei sind für die unterschiedlichen Systeme unterschiedliche Temperaturfenster nötig. Beispielsweise operieren die EDUs in einem anderen Temperaturspektrum als die Batterie. Die präzise Versorgung aller Komponenten erledigt dabei der sogenannte Central Coolant Hub (CCH). Dieses hochintegrierte Bauteil ist das „Mastermind“ der Kühlung im CONCEPT AMG GT XX und befindet sich raumsparend zwischen vorderer EDU und dem linken vorderen Längsträger der Karosserie.
Der Central Coolant Hub vereint im CONCEPT AMG GT XX zahlreiche Subkomponenten in einem kompakten Gehäuse:
- Hochleistungs-Kühlpumpen
- Temperatursensoren
- sowie 4-und 5-Wege-Ventile
Durch die integrierte Bauweise sind weniger Schläuche, Halter, Schellen und Pumpen notwendig als bei herkömmlichen Lösungen. Das spart Gewicht und Bauraum.
Die Leitungen aus dem CCH sind nicht nur mit allen zu kühlenden Elementen verbunden, sondern auch mit dem Hauptkühler und den beiden Radlaufkühlern (je einer vorn links und rechts). Über die ebenfalls neu entwickelten Ventile lassen sich bedarfsgerecht Teilkreisläufe zu- oder abschalten.
Der Central Cooling Hub ist dabei für unterschiedliche Szenarien ausgelegt. So kann er unter anderem die maximale Kühlung aller Aggregate bei Fahrten unter hoher Last und bei hohen Außentemperaturen sicherstellen, wie sie bei dem strapazierenden Extremtest in Nardò regelmäßig benötigt wurde. Aber auch die gezielte und effiziente Kühlung einzelner Komponenten ist möglich.
Der große Vorteil des Kühlsystems liegt dabei vor allem darin, dass es in Kombination mit den Axial-Fluss-Motoren und der direktgekühlten Batterie in nahezu allen Situationen volle Leistung anbieten kann – beim Fahren und an der Ladesäule. So ermöglicht das System beispielsweise nach Hochgeschwindigkeitsfahrt und bei hohen Umgebungstemperaturen sofort die volle Ladeleistung. Umgekehrt kann nach dem Laden an der Highspeed-Ladesäule sofort die volle Fahrleistung abgerufen werden. Während konventionelle Elektrofahrzeuge in solchen Situationen üblicherweise die Leistung drosseln müssen, um zunächst für die richtigen Bauteiltemperaturen zu sorgen (sog. De-Rating), liefert das CONCEPT AMG GT XX volle Leistung.
Zum Kühlkonzept des CONCEPT AMG GT XX gehört außerdem die passive Kühlplatte vorn im Unterboden. Diese Entwicklung von Mercedes‑AMG High Performance Powertrains in England wurde bereits beim VISION EQXX erprobt. Die permanent durchströmte Unterbodenkühlplatte hilft dabei, den Hauptkühler so weit zu entlasten, dass über weite Strecken das Luftregelsystem geschlossen bleiben kann (siehe weiter unten). Dies verbessert die Energieeffizienz und reduziert den Luftwiderstand.
Aerodynamik unterstützt Kühlfunktionen
Zur hohen Kühlleistung trägt auch die Aerodynamik bei. Dazu wurde das Luftregelsystem AIRPANEL weiterentwickelt, das bereits aus dem AMG GT bekannt ist. Das System sorgt für eine optimale Balance aus Kühlung und geringem Luftwiderstand. Es operiert mit beweglichen Lamellen hinter der Kühlerverkleidung. Erstmals sind nun auch die Radlaufkühler (inklusiven Lüftern) damit ausgestattet. Im Normalzustand sind die Lamellen geschlossen, was Luftwiderstand reduziert und die Luft gezielt in Richtung Unterboden lenkt. Erst bei erhöhtem Kühlluftbedarf öffnen die Lamellen nahezu stufenlos und lassen bedarfsgerecht Kühlluft zu den Wärmetauschern strömen.
Aerodynamik: wichtige Stellschraube für High Performance besonders bei hohen Geschwindigkeiten
Bei 300 km/h müssen rund 83 Prozent der Antriebsenergie aufgewendet werden, um den Luftwiderstand zu überwinden. Eine effiziente Aerodynamik ist gerade im High‑Performance-Bereich umso wichtiger, da das CONCEPT AMG GT XX den Großteil des Extremtests in Nardò bei genau diesen 300 km/h absolviert hat.
Das Fahrzeug ist daher für hohe Geschwindigkeiten aerodynamisch optimiert. Der sportliche Karosseriekörper ist von der niedrigen Motorhaube und dem schlanken Greenhouse geprägt. Hinzu kommt die tief heruntergezogene Front mit seitlichen Air-Curtains, die seitlichen Frontsplitter vor den Vorderrädern und das lange, breite Heck mit Diffusor und seitlichen Blades.
Viele Einzelmaßnahmen für einen sehr guten cW-Wert von 0,19
Durch konzentrierte Arbeit an zahlreichen Details konnte der ohnehin schon sehr gute Luftwiderstandsbeiwert noch weiter verbessert werden. Einzelmaßnahmen wie optimierte Aero-Rückspiegel, ein verlängerter Diffusor oder die Heckabrisskante haben die Aerodynamik weiter verbessert. Insgesamt betrug der cW-Wert des CONCEPT AMG GT XX beim Extremtest in Nardò trotz breiter High-Performance-Reifen nur 0,19.
Dieser sehr gute Wert hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Langstreckenfahrt: So hatte die Verbesserung um nur 1 Punkt (= cW um 0,001 weniger) einen ähnlichen Effekt für Reichweite und Effizienz wie eine Gewichtsersparnis von rund 90 Kilogramm.
Der Feinschliff macht vor dem Unterboden nicht Halt: Eine spezifisch entwickelte Unterbodenkontur sorgt für eine ausgewogene Aero-Balance und damit den optimalen Anpressdruck bei maximaler Effizienz. Sie erzeugt den sogenannten Venturi-Effekt. Der Hinterachsauftrieb kann so ohne großen Einfluss auf den cW‑Wert reduziert werden und bietet enorm hohe Fahrstabilität. So konnte der aktive Heckspoiler beim Extremtest in Nardò eingefahren bleiben, da das CONCEPT AMG GT XX dank ausgeklügelter Aerodynamik auch ohne Heckspoiler ausreichend Abtrieb generiert.
Neu entwickelte 20-Zoll-Räder mit Carbon Claddings
Für die Mission in Nardò wurden auch die Räder neu entwickelt. Die Dimension 20 Zoll bietet den optimalen Kompromiss aus hoher Fahrstabilität und niedrigem Luftwiderstand. Die in die Aluräder eingesetzten Aero-Carbon-Claddings unterscheiden sich an Vorder- und Hinterachse. Die Lamellen leiten die Luft an der Vorderachse von außen nach innen, während an der Hinterachse die Luft von innen nach außen gepumpt wird. Dies verbessert die Fahrzeug-Umströmung und erhöht die Fahrstabilität bei geringerem Luftwiderstand als vollständig geschlossene Räder.
Die Bremsenkühlung konnte vernachlässigt werden, da während der Fahrt nur über die Rekuperation verzögert wurde, bis hin zum Boxenstopp. Als Bereifung dienten Michelin Hochleistungsreifen, die mit dem Ziel entwickelt wurden, höchste Leistung mit größtmöglicher Effizienz zu verbinden.
Hohe Ladeleistung und kurze Ladezeiten dank neu entwickelter Ladesäule von Alpitronic
Neben hohen Geschwindigkeiten während der Fahrt waren auch hohe Geschwindigkeiten beim Laden ein wichtiger Erfolgsfaktor beim Extremtest. Das CONCEPT AMG GT XX hat dabei in Nardò durchschnittlich mit 850 kW geladen, dank neu entwickelter Ladesäule von Alpitronic und dem temporärem High-Power Charging Hub.
Um die hohe Ladeleistung und damit kurze Ladezeiten umzusetzen, installierte das Team einen eigenen High-Power Charging Hub auf dem Testgelände – inklusive Mittelspannungs-Stromleitungen, Transformatoren und Ladestationen. Dabei kam die Expertise der Mercedes‑Benz Charging Unit zum Tragen, die für den Aufbau des globalen Mercedes‑Benz High-Power Charging Netzwerks zuständig ist. Der Aufbau des temporären High-Power Charging Hubs in Nardó erfolgte ebenfalls in Rekordzeit: Vom Bauantrag bis zur Inbetriebnahme dauerte es nur knapp drei Monate. Der neue Netzanschluss bot zudem eine außergewöhnlich hohe Leistung: Der Hub wurde für drei Lader mit insgesamt über 2,5 Megawatt ausgelegt.
Passend zur Ladeperformance des CONCEPT AMG GT XX hat die Mercedes‑Benz Charging Unit eng mit dem Partner Alpitronic, europäischer Marktführer im Bereich High-Power Charging, zusammengearbeitet. Alpitronic hat für das Projekt eine spezielle Prototypen-Ladesäule entwickelt. Diese kann erstmals über ein Standard-CCS-Kabel Ströme von bis zu 1000 Ampère übertragen – doppelt so viel wie bisher üblich. Möglich wurde das unter anderem durch die Nutzung eines ursprünglich für Lkw ausgelegten MCS-Dispensers. Bei diesem wurde das MCS-Kabel durch ein herkömmliches CCS-Kabel ersetzt, welches die erhöhte Kühlleistung nutzt. Das Ladesystem wurde dabei gemeinsam mit dem Fahrzeug entwickelt. Auf einem Prüfstand in Stuttgart‑Untertürkheim simulierte das Entwicklungsteam reale Ladeszenarien, bei denen Fahrzeugkomponenten und Ladesäule zusammen getestet und validiert wurden. Das zeigt den ganzheitlichen Entwicklungsansatz von Mercedes‑Benz.
Intelligente Software und Rekordstrategie mit Know-how aus der Formel 1®
Ebenfalls relevant für die Mission war die intelligente Betriebsstrategie einschließlich des Batterie-Management-Systems (BMS). Sie basiert auf der Mercedes‑Benz Software-Architektur MB.OS. Diese haben die Experten von Mercedes‑AMG in Affalterbach und Mercedes‑AMG High Performance Powertrains (HPP) in Brixworth weiterentwickelt, um die Batterie immer im optimalen Performance-Betriebsbereich zu halten.
Die Herausforderung: Eine direkte Messung der Vorgänge im Kern der einzelnen Batteriezellen ist nicht möglich. Gleichzeitig sind aber genau diese Informationen für die Erarbeitung einer optimalen Strategie relevant. Deshalb verwendete das Team im Vorfeld speziell modifizierte Zellen und Sensoren, sogenannte Referenzelektroden, um zu lernen, wie sich die Zellen während der Nutzung verhalten. Dazu wurden die Batteriezellen mit speziellen Referenzelektroden und Kerntemperatursensoren detailliert vermessen und getestet. Die gesammelten Daten wurden in die Software des BMS implementiert und ermöglichen so eine bessere Modellierung des Zellverhaltens. Dadurch konnte beispielsweise die Ladeleistung noch einmal optimiert werden. Aus der Simulation entstehen „virtuelle Sensoren“ auf Basis von physischen Sensoren. Mit diesen virtuellen Sensoren kann die BMS-Software so während der gesamten Fahrt einen Blick in den Kern der Batteriezellen simulieren.
In zahlreichen Simulationen wurde im Vorfeld die optimale Strategie für die Extremfahrt entwickelt. Dazu zählte beispielsweise die Bestimmung der idealen Fahrgeschwindigkeit von 300 km/h, die die beste Balance aus Geschwindigkeit und Effizienz bot. Auch der Zustand jeder einzelnen Zelle konnte in den Simulationen erfasst und über das BMS geregelt werden. Nach den einzelnen Simulationszyklen validierte das Team die Ergebnisse auf Zellebene, dann mit realen Aggregaten auf dem e-Drive Prüfstand in Stuttgart‑Untertürkheim und später auch auf der Teststrecke. Mit den dabei gewonnenen Erkenntnissen konnte die jeweils nächste Simulation optimiert werden. Dies ermöglichte noch genauere Prognosen für die reale Fahrt.
Zusätzlich haben die Simulationsexperten von Mercedes‑AMG High Performance Powertrains ein Tool entwickelt, das die vorausberechnete Betriebsstrategie live mit den Bedingungen vor Ort abgleichen konnte. Während des Dauertests in Nardò überwachten die HPP-Ingenieure, ob externer Faktoren wie Temperatur und Wind, Schmutz auf der Fahrbahn oder Reifenverschleiß einen Einfluss auf Fahrt und Fahrzeugkomponenten haben. Da die Daten permanent in den Mission Control Truck übertragen wurden, konnten die Experten die Strategie kontinuierlich an die reale Fahrsituation anpassen – und beispielsweise die Länge eines Stints flexibel verlängern oder reduzieren.
In enger Zusammenarbeit mit Mercedes‑AMG HPP hat das Entwicklungsteam für die Fahrt des CONCEPT AMG GT XX auch ein Fahrprofil für die einzelnen Stints errechnet. Das Grundprinzip ist aus der Formel 1® abgeleitet: Zu Anfang wird auf die Zielgeschwindigkeit 300 km/h beschleunigt, welche für eine vor berechnete Anzahl an Runden gehalten wird. Wenn es Zeit für den nächsten Ladestop wird, nutzt das Fahrzeug zur Verzögerung die bis zu 0,6g starke Rekuperation und speist die Energie wieder in die Batterie ein. So fährt das Konzeptfahrzeug mit optimaler Geschwindigkeit an die Box, um exakt an der Ladesäule zum Stehen zu kommen. Nach der Schnellladung beschleunigt es wieder auf die Zielgeschwindigkeit und der Zyklus startet erneut.
Predictive Performance Manager
Einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg hat auch der Predictive Performance Manager (PPM) geleistet. Dabei handelt es sich um eine speziell entwickelte Software des Antriebsstrangs. Sie optimiert den Energiefluss und gibt der Fahrerin oder dem Fahrer Hinweise für eine besonders performance-effiziente Fahrweise, unterstützt also bei der praktischen Umsetzung der Strategie. Dies erfolgt akustisch und optisch mit Signalen im Augmented-Reality-Helm und in der Instrumententafel. Der PPM nutzt für die präzisen Fahranweisungen an bestimmten Streckenpunkten die GPS-Streckendaten von AMG Track Pace, die im System gespeichert sind.
Maßgeschneidertes Anzeigekonzept für die Rekordfahrt
Auch für das eigens konzipierte Anzeigenkonzept stellt das neue Mercedes‑Benz Operating System (MB.OS) die Basis. Die tief integrierte Software-to-Cloud-Architektur vernetzt und kontrolliert alle Steuergeräte und Funktionen. Für die Rekordfahrt des CONCEPT AMG GT XX wurde ein maßgeschneidertes UI/UX-Konzept (UI = User Interface; UX = User Experience) programmiert, dass die Piloten bei den Hochgeschwindigkeitsfahrten unterstützt und entlastet.
Das 26 Zentimeter (10,25 Zoll) große Kombi-Instrument vor dem Fahrer zeigt die gewohnten Fahrzeugdaten wie beispielsweise Geschwindigkeit und Ladezustand der Batterie an. Das 35,6 Zentimeter (14 Zoll) große Multimedia-Display rechts daneben ist ergonomisch zum Fahrer orientiert und in „Seamless-glass“-Optik ausgeführt. Dort erscheinen erschienen während der Rekordfahrt die für die Fahrer wichtigsten Parameter.
Neben der aktuell zurückgelegten Fahrzeit und der aktuellen Rundenzahl seit dem letzten Ladestopp zeigte das Display die zurückgelegte Fahrstrecke, die aktuelle Position des Fahrzeugs auf der Strecke sowie State-of-Charge (SoC) in Prozent und die Stellung der Ladeklappe. Auch das aktuelle Fahrprogramm wurde auf dem Screen dargestellt.
Während des Ladevorgangs verändert sich die Ansicht auf dem Multimedia-Display. Die Fahrzeugsilhouette schwenkt in die Seitenansicht und lenkt mit einem pulsierenden Licht die Aufmerksamkeit auf die Batterie und deren steigenden Ladezustand.
Spannend sind auch die Funktionsmöglichkeiten am Lenkrad. Die beiden AMG Lenkradtasten sind aus den AMG Serienmodellen bekannt. Damit kann der Fahrer unterschiedliche Funktionen aktivieren, die ebenfalls exklusiv für die Rekordfahrt programmiert sind. So war die linke Taste mit der Regelung des nächsten Rekuperationspunkts belegt, über die rechte Taste ließen sich die Kühlerjalousien manuell verstellen und die Runden bis zum nächsten Ladestopp wählen.
Ähnlich wie in der Formel 1® und im AMG ONE befinden sich im oberen Lenkradkranz acht LEDs für weitere Informationen. Je nach leuchtender Anzahl zeigen sie den Fortschritt bestimmter Funktionen.
Beim Ladestopp sind die LEDs blau, bis der gewünschte Ladezustand erreicht ist. Grüne LEDs sind die Aufforderung zum Losfahren, rote Lichter signalisieren, dass noch zu warten ist. Während der Fahrt fordern die LEDs in Weiß zu Lift-and-Coast auf (Rollen und Segeln), Blau bedeutet Rekuperation.
Rennhelm mit Augmented-Reality-Funktionen
Mercedes‑Benz gehört seit Jahren zu den Vorreitern beim Einsatz von Augmented Reality (AR) im Fahrzeug. So erleichtern beispielsweise schon heute AR-Navigationshinweise die Orientierung. Im CONCEPT AMG GT XX wird die Technologie erstmals direkt in einen Rennhelm integriert. Der Augmented-Reality-Rennhelm ist damit ein zusätzlicher, innovativer Bestandteil der User Experience.
Der Helm blendet situativ Fahrzeug- und Streckeninformationen in Echtzeit in das Sichtfeld ein. So kann der Fahrer den Blick auf die Strecke halten. Die Anzeigen ergänzen die Informationen der Screens im Fahrzeug. Zu den Daten gehören der Ladezustand der Batterie, die Geschwindigkeit, ein Rundenzähler und die per Lenkradtasten gewählte Funktion. Angezeigt werden zudem geschwindigkeitsabhängige farbige Spurindikationen in Pfeilform, die insbesondere bei den Nachtfahrten ihren Nutzen unter Beweis gestellt haben. Beginn und Ende von Rekuperationsphasen wurden durch Augmented-Reality-Tore symbolisiert. Auch die aktuelle Position des Fahrzeugs auf dem Hochgeschwindigkeitskur wurde angezeigt.
Der Helm ist passend zum Rekordfahrzeug designt, in Sunset beam orange lackiert und trägt an der Rückseite das AMG Wappen. Außerdem verfügt er über das HANS-Sicherheitssystem (Head And Neck Support) aus dem Motorsport. Mit rund zwei Kilogramm Gewicht ist er trotz der AR-Ausstattung und der dazu erforderlichen Batterie sehr leicht. Entwicklungspartner ist Aegis Rider Helmets, ein Start‑Up der ETH Zürich. Auch die Erprobungsfahrer Manuel Metzger, Thomas Jäger und Fabian Vettel ließen dafür ihre Expertise aus dem GT3-Rennsport einfließen.
Aktive aerodynamische Strömungskontrolle durch Plasma-Aktuatoren ermöglicht neue Designfreiheit
Im Rahmen des Technologieprogramms CONCEPT AMG GT XX wurde auch zu einer grundlegend neuen Technologie geforscht: „Aerodynamics by wire“. Auch wenn sie nicht direkt mit der Fahrt in Nardò oder einem baldigen Serieneinsatz im Zusammenhang stand, konnte das Forscherteam erstmals mit einem elektrischen Plasma-Aktuator eine gezielte Strömungsablösung auf einer Karosserierundung am Heck erzeugen. Normalerweise ist dafür eine physikalische, geometrische Abrisskante an der Fahrzeugaußenseite erforderlich. Diese höchst innovative Lösung reduziert den Luftwiderstand, verbessert die Aero-Performance und ermöglicht eine völlig neue Designfreiheit.
Der Beweis der Wirksamkeit konnte nun erstmals an einem 1:1 Windkanalmodell des CONCEPT AMG GT XX erbracht werden. Dabei wurden im Windkanal erfolgreiche Messungen bei Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h durchgeführt. Mercedes‑Benz ist damit der weltweit erste Automobilhersteller, der diese innovative Technologie erfolgreich in einem solchen Setting getestet hat und wird nun die Forschungsarbeiten zum Plasma-Aktuator fortsetzen, um eine zukünftige Anwendung in Fahrzeugen zu prüfen.
Der Plasma-Aktuator besteht aus zwei asymmetrisch angeordneten Elektroden, die durch eine isolierende dielektrische Schicht getrennt und bündig an verschiedenen Bauteilen angebracht werden können. Das Anlegen einer hochfrequenten Wechselspannung zwischen den Elektroden führt zur Bildung eines elektrischen Feldes und schwach ionisierter Luft (= Plasma). Die Ionen werden durch das elektrische Feld beschleunigt, und die Teilchen-Teilchen-Kollision führt zu einer Impulsübertragung von den Ionen auf die umgebende neutrale Luft. Diese Impulsübertragung wird allgemein als Plasma-Aktuator-Volumenkraft bezeichnet. Diese induziert lokal eine Strömung, wodurch die Aktuatoren für die Anwendung in der Strömungskontrolle geeignet sind.
Die Bauteile des Plasma-Aktuators sind dünn und leicht. Sie können überlackiert werden, wodurch sie im Gesamterscheinungsbild nicht länger zu sehen sind. Durch ihre Bauweise können sie zu einer Verbesserung des Luftwiderstandsbeiwerts und der Energieeffizienz des Fahrzeugs beitragen. Plasma-Aktuatoren erfordern darüber hinaus keine mechanischen, hydraulischen oder bewegliche Teile. Sie können sehr schnell an unterschiedliche Designentwürfe angepasst und problemlos in verschiedenen Größen und Formen gebaut werden.
Sitze: innovative maßgeschneiderte Ergonomie aus dem 3D-Drucker
Die vorderen Schalensitze basieren auf Carbon-Racing-Schalen mit Belüftungs-Öffnungen und integrierten Kopfstützen. Neu sind die ergonomisch optimierten Sitzpads mit offener 3D-Struktur. Diese lassen sich per Klettverschluss leicht auswechseln. So entsteht eine an den jeweiligen Fahrenden angepasste, komfortable Sitzstruktur. Die Sitzpads sind mit der LABFIBER Biotechnologische Lederalternative in Pearl Schwarz bezogen.
Die hinter den Sitzpads stehende Idee kommt ebenfalls aus dem Rennsport. Dort gibt es individuelle Sitzkissen für jeden Piloten, die schnell ausgetauscht werden können – etwa zum Fahrerinnen- bzw. Fahrerwechsel bei Langstreckenrennen. Im CONCEPT AMG GT XX sind die individuell ausgeprägten Sitzpads im 3D-Druckverfahren entstanden. Die Ergonomie-relevanten Daten liefert ein Body-Scan der betreffenden Person. Teilen sich mehrere Piloten das Cockpit, wird einfach nach Bedarf das passende Pad eingesetzt – schnell, präzise und mit optimaler Ergonomie für jeden Einzelnen.
ThrillAR Experience: Die Rekordfahrt zum Nacherleben
Das Innovationsteam von Mercedes‑Benz entwickelte mit der "ThrillAR"-Experience ein Mixed-Reality-Abenteuer, das Medienvertretern exklusiv die Möglichkeit bietet, die High-Speed-Runde von Nardò auf noch nie dagewesene Weise mit der Apple Vision Pro zu erleben. In diesem besonderen XR-Erlebnis verschmelzen Streckendaten, Rundenzeiten und Fahrzeug-Performance mit Elementen wie einem interaktiven Pit-Stop. Ein Höhepunkt ist die virtuelle Fahrt, bei der die Nutzer sich hinter das Steuer des CONCEPT AMG GT XX setzen und die letzten Kilometer bis zur Zieleinfahrt erleben können. Dieses vielseitige Format wird auch bei der bevorstehenden IAA Mobility und weiteren zukünftigen Events eingesetzt, um einem breiteren Publikum die immersive Nachverfolgung der Rekordfahrt zu ermöglichen.
Michelin: Reifeninnovation im Stresstest-Zentrum an der Seite von Mercedes‑AMG
Seit über drei Jahrzehnten unterstützt Michelin Mercedes‑AMG bei seinen ambitioniertesten Projekten. Damit das CONCEPT AMG GT XX mehr als 40.000 Kilometer bei 300 km/h absolvieren konnte, entwickelte Michelin einen völlig neuen Reifen: den MICHELIN Pilot Sport 5 Energy.
Dieser Hochleistungsreifen ist das Ergebnis von fünf Jahren Forschung und Entwicklung und Vorbote einer serienmäßigen Produktlinie, die bereits im kommenden Jahr unter demselben Namen auf den Markt kommen soll. Für seine Konstruktion nutzte Michelin modernste Technologien zur Simulation der Fahrzeug- und Reifendynamik sowie Mehrkomponenten-3D-Fertigungverfahren. Der MICHELIN Pilot Sport 5 Energy zeichnet sich durch eine innovative KM-Architektur mit Zwei-Komponenten-Mischung und differenzierten Eigenschaften aus: An den äußeren Schulterbereichen der Lauffläche trägt die jüngste Generation des Energy Passive Compound zur Senkung des Energieverbrauchs bei. In der Mitte maximiert die neue Adaptive Grip Compound die Traktion auf trockener wie nasser Fahrbahn. Diese einzigartige Konstruktion bietet außergewöhnliche Energieeffizienz, reduziert die Zahl der erforderlichen Ladevorgänge und garantiert dem Fahrer dank konstanter Leistung höchste Sicherheit bis zum letzten Kilometer.
Zur Unterstützung der Mission in Nardò stellte Michelin vor Ort ein Team aus Ingenieuren, Technikern und Monteuren bereit, das Reifenwechsel durchführte, technischen Support leistete und mithilfe von RFID-Chips eine 24/7-Überwachung der Reifen sicherstellte.
Microsoft unterstützt Rekordversuch mit Technologieinfrastruktur
Mit einer Technologieinfrastruktur für einen nahtlosen Plattformbetrieb durch ein spezialisiertes Microsoft Mission Critical Team unterstützte Microsoft den Versuch des CONCEPT AMG GT XX. Während der Rekordfahrt werden Fahrzeugzustandsdaten kontinuierlich mit einer Lösung namens MB.log erfasst und analysiert. MB.log wurde von Mercedes‑Benz und Microsoft gemeinsam entwickelt und läuft in der Mercedes‑Benz Intelligent Cloud, die unter anderem auf der globalen Cloud-Plattform Azure von Microsoft bereitgestellt wird. MB.log ist in Kombination mit der Onboard-Messtechnik das Datennervensystem des Fahrzeugs. Es erfasst, überträgt und kontextualisiert leistungskritische Daten und ermöglicht es den Ingenieuren, das Verhalten des Fahrzeugs unter extremen Bedingungen zu überwachen und zu optimieren.
Signify ermöglicht Leistung und Sicherheit während der Mission in Nardò
Für die Rekordfahrt wurde eine intelligente, energieeffiziente Beleuchtung von Signify strategisch an kritischen Punkten entlang der Strecke eingesetzt, darunter der Tunnelabschnitt und der Boxenstopp.
Im Tunnel erzeugen die Philips Ledinaire Flutlichter von Signify in Kombination mit Color Kinetics ColorGraze IntelliHue Leuchten ein ausgewogenes Verhältnis von funktionaler Beleuchtung. Die leistungsstarke ColorGraze Leuchte wurde entwickelt, um architektonische Merkmale hervorzuheben. Dank der IntelliHue Technologie kann sie Millionen von gesättigten Farben, Pastelltöne und hochwertiges weißes Licht in derselben präzisen steuerbaren Leuchte erzeugen.
Strategisch außerhalb und innerhalb des Tunnels positioniert, leitet das Licht die Fahrer zum richtigen Ort und vermeidet Verwirrung darüber, wohin sie fahren sollen. Die Ledinaire Flutlichter bieten einen hohen Lichtstrom, der der Boxencrew eine gute Sicht auf das Auto ermöglicht und den schnellen Reifenwechsel und kleinere Reparaturen unterstützt.
Ein Teil der netzunabhängigen Strecke erforderte besondere Aufmerksamkeit aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens von Fahrern und Fußgängern. Da Autos mit hoher Geschwindigkeit vorbeifahren, ist es wichtig, durch Beleuchtung eine zusätzliche Sicherheitsebene zu schaffen. Hier wurden die Philips SunStay Pro Solarleuchten installiert, die eine gleichmäßige Ausleuchtung gewährleisten. Gleichzeitig minimieren sie die Umweltbelastung, da sie auf Kreislaufwirtschaft ausgelegt sind – was das Engagement für saubere Energie und Beleuchtungslösungen ohne ökologischen Fußabdruck unterstreicht. Zusammengenommen beleuchten diese Technologien nicht nur die Straße, sondern gestalten auch das Erlebnis und unterstützen Mercedes‑AMG bei jedem Schritt ihrer Mission.
Die Mercedes-Benz Österreich GmbH
Die Mercedes-Benz Österreich GmbH ist eine 100-Prozent-Tochter der Mercedes-Benz AG. Der Sitz des Unternehmens ist in Eugendorf. Mercedes-Benz Österreich ist Generalimporteur der eingetragenen Marken Mercedes-Benz, Mercedes-AMG und Mercedes-Maybach. Das Unternehmen koordiniert mit rund 240 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Vertriebs-, Marketing-, Service- und Presseaktivitäten in Österreich. Der Vertrieb erfolgt über das autorisierte Handelspartnernetz und die von den Agenten betriebenen Betriebsstandorte. Die Servicearbeiten werden von den autorisierten Werkstätten durchgeführt. Im Jahr 2024 wurden in Österreich 10.804 Mercedes-Benz PKW (inkl. V-Klasse) und 5.950 Transporter (exkl. V-Klasse) zugelassen.